European Academy of Sciences and Arts
Academia Scientiarum et Artium Europaea
10. November 2009Akademiegespräche im Norden
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DIE GEFÄHRDETE EINHEIT DER UNIVERSITÄT
Der Institution Universität fehlt in der längsten Zeit ihrer europäischen Geschichte ein starker innerer Integrationsrahmen. Die mittelalterliche Universität ist eine in Nationen und Fakultäten organisierte Schwurgemeinschaft von Personen, deren Einheit zeremoniell und symbolisch dargestellt, aber nicht zur Handlungsfähigkeit entwickelt wird. In der Neuzeit ist es der Landesherr, der durch Privilegien Bestand und Einheit der Universität garantiert, solange der politische Wille trägt und die wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten. Auf dem Weg in die demokratische Moderne wachsen der größer werdenden Universität unter hoher staatlicher Finanzbeanspruchung so gegensätzliche Rollen wie Berufsausbildung, Grundlagenforschung, Dienstleistung und Gewährung von Aufstiegschancen zu, die sich alle aus ihrem Erfolg als höchstem Bildungszentrum in der Gesellschaft ergeben. Statt den Integrationsrahmen der Institution zu stärken, wie es mit Erfolg vor vierzig Jahren geschah, macht sich im letzten Jahrzehnt die waghalsige Tendenz bemerkbar, die Universität durch eine Fülle desintegrativer Maßnahmen ins Unglück der Steuerungsunfähigkeit zu stürzen. „Jetzt noch nicht“ soll entschieden, heißt es in den „Leitlinien für die Entwicklung der Hamburger Hochschulen“ vom 17.06.2008 (Bgsch.-Drs. 17/2914), ob die neu gebildeten, wieder hergestellten sechs Großfakultäten der Universität Hamburg „selbständige Hochschulen werden“ (Nr. 8.1, S. 11). Inzwischen hat die Schwächung der Zentralinstanz ihr erstes Opfer gefordert, und weitere werden folgen, wenn nicht ein System von checks and balances etabliert wird, das der Universität im fortgeschrittenen Stadium eines akademischen Großbetriebs angemessen ist, ohne ihrer Auflösung Vorschub zu leisten.
Peter Fischer-Appelt
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